Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Schiedsrichtern

Das Amt des Schiedsrichters hat einen zu geringen Stellenwert

Gerade in den unteren Spielklassen kämpfen die Schiedsrichter aus Südbaden mit den Problemen wie Gewalt und Respektlosigkeit. Der Verbandslehrwart des Südbadischen Fußballverbandes, Andreas Klopfer, spricht im Interview über die aktuelle Situation.
Warum wird es immer schwieriger geeignete Kandidaten zu finden?
Andreas Klopfer: Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass das Amt des Schiedsrichters einen zu geringen Stellenwert hat. Wenn man teilweise den Umgang mit Schiedsrichtern auf unseren Sportplätzen sieht, braucht man sich nicht wundern, wenn dieses Amt keiner mehr ausführen möchte. Natürlich spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle. Die geeigneten Leute ab 14 Jahre sind oft schulisch noch eingespannt und haben auch noch andere zeitaufwendige Hobbys. Die zweite Zielgruppe, nämlich Fußballer, welche ihre aktive Fußballerlaufbahn verletzungs- oder altersbedingt beenden, finden leider den Weg nicht zu uns. Hier ist noch nicht angekommen, dass uns genau dieser Personenkreis für die Erhaltung des Spielbetriebes fehlt.
Wie sieht es mit der Wertschätzung für Schiedsrichter aus?
Klopfer: Die Wertschätzung ist teilweise sehr gering. Von einigen Vereinen werden nicht einmal die einfachsten Dinge wie ein Pausengetränk oder eine saubere Umkleidekabine für Schiedsrichter organisiert. Ebenfalls werden die Schiedsrichter oft nicht als vollwertiges und aktives Vereinsmitglied angesehen. Es gibt aber natürlich auch sehr viele Vereine, bei welchen sich die Schiedsrichter im Verein als Vereinsmitglied oder aber auch bei Spielleitungen sehr wohl fühlen.
Was können die Vereine tun?
Klopfer: In Bezug auf die Neulingsgewinnung immer wieder geeignete Kandidaten ansprechen und Werbung für die Neulingslehrgänge machen. Für die SR-Erhaltungwünsche ich mir, dass die Schiedsrichter in ihren Vereinen besser integriert werden und der Umgang untereinander fair ist. Bei Spielleitungen bitte ich um Verständnis und Respekt für das Amt des Schiedsrichters, denn nur weil man 3 € Eintritt bezahlt, hat man nicht das Recht, einen Menschen zu beleidigen oder zu bedrohen. Hier sind alle Beteiligten gefordert, den nötigen Respekt gegenüber anderen Personen aufzubringen.
Nicht nur gegenüber dem Schiedsrichter.
Wie groß ist die Gefahr, dass irgendwann keine Bezirksligaspiele mehr besetzt werden?
Klopfer: Für die Spiele in den Bezirksligen sehe ich in den nächsten Jahren noch keine Gefahr. Wo in absehbarer Zeit aber keine Schiedsrichter mehr eingeteilt werden, wird in der Kreisliga B sein. Hier wird es zwar erst die Reservestaffeln treffen, nur der Schritt zu den er sten Mannschaften ist dann nicht mehr weit.
Was muss ganz dringend geändert werden?
Klopfer: Der Respekt von den Zuschauern für das Amt des Schiedsrichters muss gesteigert werden. Jeder, der nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung rein ruft, sollte erstmal selbst ein Spiel pfeifen, damit er sieht, wie schwer es ist. Weiter muss die Qualifizierung der Trainer und Spieler voranschreiten, denn oftmals wird mangels Regelkenntnis dem Schiedsrichter ein Fehler vorgeworfen, obwohl dieser richtig gehandelt hat. Auch fände ich wichtig, dass in Form eines Ehrenkodex sich Spieler, Trainer usw. verpflichten, sich fair und tolerant, dies aber nicht nur auf den Schiedsrichter bezogen, zu verhalten.
Wie sieht die Zukunft aus?
Klopfer: Von Seiten der Schiedsrichter, müssen wir versuchen die Zahl der Neulinge zu erhöhen und die ausgebildeten Neulinge längerfristig an uns zu binden. Leider gelingt uns dies seit einigen Jahren nicht, denn die Zahl der Schiedsrichter ist stark rückläufig. Die letzten Neulingslehrgänge machen ab er wenig Mut. Letztendlich müssen auch die Vereine mehr eingebunden werden, denn von diesen kommen unsere Schiedsrichter und sie sind am Ende auch die Leidtragenden, wenn keine Spiele mehr besetzt werden können. Hierzu müssen alle am Fußball beteiligten Personen Lösungen suchen und finden, damit es so viel wie möglich Schiedsrichter gibt, welche den Spielbetrieb aufrechterhalten. Hierzu muss jeder seinen Teil dazu beitragen.
Das Interview führte Steffen Fante
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.